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Endovaskuläre Interventionen



Aortenprothese
Bei akuten (traumatischen) Veränderungen der Hauptschlagader oder bei Aortenaneurysmen wird über kleine Öffnungen meist der Leistengefäße endovaskulär die Defekte Stelle mit einer beschichteten Kunststoffprothese von innen versorgt. Dies kann sowohl thorakal (TEVAR) oder abdominell (AEVAR) erfolgen.

Auch Gefäßveränderungen am thorakoabdominellen Übergang können behandelt werden: Die Arterien für die Versorgung von Leber, Milz, Magen, Darm und Nieren entspringen direkt aus dem krankhaft erweiterten Gefäßabschnitt der Aorta. Dies individuell angefertigten Prothesen mit Fenestrierungen (FEVAR) oder Branches (BEVAR) werden ebenso über die Leistenarterien eingebracht und die Aneurysmen dadurch unter Schonung der Eingeweidearterien versorgt werden.
Abb.: Abschluss-Angiographie nach endovaskulärer Versorgung eines rupturierten Aortenaneurysmas


TIPS/PVR-TIPS:
Der sogenannte Transjugulärer intrahepatischer Portosystemischer Shunt (TIPS) dient zur Reduktion einer portalen Hypertension meist bei Patienten mit Leberzirrhose. Insbesondere bei rezidivierenden Ösophagusvarizenblutungen, therapierefraktärem Aszites oder als Überbrückung bis zur Lebetransplantation wird diese Methode angewandt. Dabei wird über einen transjugulärem Zugang am Hals ein Punktionsset meist in die rechte Lebervene vorgeschoben und von dort die Pfortader angestochen. So wird eine Verbindung (Shunt) zwischen der Pfortader und der Lebervenen geschaffen - der erhöhte Pfortaderdruck kann so sofort reduziert werden. Eine Sonderform stellt der PVR-TIPS (Portal Venous Recanalization - TIPS) dar. Im Fall einer Pfortaderthrombose wird ein Zugang über die Milz angewandt: Über die Milzvene wird die verschlossene Pfortader "rekanalisiert" und über diesen Zugang dann ein TIPS angeschlossen.
Abb.: PVR-TIPS über einen translienalen und transjugulären Zugang mit Darstellung einer vollständig rekanalisierten und wiederhergestellten splenoportalen Achse


Lymphangiographie:
Unter Lymphangiographie versteht man die minimal-invasive Darstellung der Lymphgefäße. Durch die Punktion von Leisten-Lymphknoten wird langsam ein Kontrastmittel (Lipiodol) in das Lymphsystem injiziert und dadurch die Lymphgefäße sichtbar gemacht.

Einerseits kann dadurch exakt das verletzte Lymphgefäß dargestellt werden, andererseits kann durch die hohe Viskosität des injizierten Kontrastmittels in einigem Fällen das Gefäß "verklebt" werden. Bei größeren Lymphgefäß-Defekten kann selektiv das Gefäß z.B. roboter-gestützt anpunktiert werden und mit kleinen Spiralen (Coils) verschlossen werden.

Abb.: Transnodale Lymphangiographie mit Darstellung der Lymphgefäße der rechten Beckenregion


Perkutane transhepatische Cholangio-Drainagen (PTCD):
Ist eine Methode zur nicht-chirurgischen Dekompression der Gallenwege bei Gallestau, verursacht durch Tumore, Konkremente oder post-operative Narben. Dabei wird ein erweiterter Gallengang entweder über links (Zugang unter dem Brustbein) oder rechts (Zugang zwischen den Rippen) anpunktiert und meist eine externe-interne Gallengangsdrainage positioniert. Dabei kann die Galle einerseits nach Innen in den Dünndarm abfließen, andererseits nach außen drainiert werden. Bei malignen Tumoren im Gallengang oder im Pankreaskopf wird zusätzliche oft ein Stent zur besseren Entlassung positioniert.


Abb.: Perkutane transhepatische Cholangio-Drainage (PTCD)

Versorgung von Blutungen:
Jegliche traumatisch-bedingte oder spontan aufgetretene Blutungen können minimal-invasiv endovaskulär behandelt werden: Dabei wird meist über einen Leistenzugang ein Katheter/Mikrokatheter zielgenau zum blutenden Gefäß vorgeschoben und mit kleinen Metall-Spiralen (Coils) oder Partikel verschlossen.

Endovaskuläre Behandlung des Beckenvenensyndroms
(Pelvic congestion syndrome/PCS, Ovarialvenenkrampfadern)

Das Pelvic Congestion Syndrom (PCS) ist eine Erkrankung, die chronische Beckenschmerzen (über mindestens 6 Monate) verursachen kann, deren Ursache vielschichtig ist. PCS wird mit venösem Rückstau und Rückfluss, Einengung der iliakalen Venen und/oder Okklusion der gonadalen, glutealen und periuterinen- oder perinealen Venen in Verbindung gebracht.

Auch lokale, mechanisch bedingte Kompressionen der Nieren- oder Beckenvenen sind möglich. Multiparität wird häufig mit der Entwicklung von PCS in Verbindung gebracht. PCS kann chronische, dumpfe Beckenschmerzen verursachen, die durch die "drei Ds" gekennzeichnet sind:

Dysmenorrhoe (starke, krampfartige Schmerzen während der Regelblutung)
Dysurie (schmerzhafte, unangenehme Blasenentleerung, verbunden mit Stechen & Brennen)
Dyspareunie (anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr)

Für die Abklärung kommen verschieden bildgebende Verfahren zum Einsatz, oft in erster Linie der Ultraschall. Die retrograde Venographie der Eierstöcke und der inneren Beckenvenen ist eine invasive medizinische Bildgebungstechnik, bei der unmittelbar nach Kontrastmittelgabe in der Durchleuchtung die Venen hervorgehoben und zweidimensional dargestellt werden. Während der Untersuchung wird die Patientin auf dem Untersuchungstisch gelagert. Der Eingriff erfolgt unter sterilen Bedingungen. Der Zugang zu den Venen wird in der Regel unter Lokalanästhesie angelegt.

Die Venographie ist die Untersuchung der Wahl zur Diagnose einer Beckenvenenerkrankung, da sie sowohl in liegender als auch in halb aufrechter Position mit einem Kipptisch durchgeführt werden kann. Neben der Diagnosestellung bietet dieser Eingriff die Möglichkeit einer gleichzeitigen therapeutischen Transkatheterembolisation. Das Verfahren umfasst die Katheterisierung der rechten und linken Eierstockvene über einen perkutanen femoralen oder jugulären Zugang.

Mehrere Kriterien weisen hier auf das Vorliegen eines möglichen PCS hin:

  • abnorm erweiterte Eierstockvenen
  • verlangsamter Blutfluss
  • venöser Reflux, der eine retrograde Füllung und Stauung verursacht
  • Uterusvenenschwellung und Füllung der Beckenvenen

Zu den verwendeten Mitteln für die Embolisation der betroffenen Venen gehören:

  • Coils
  • Flüssigembolisate
  • sklerosierende Substanzen

Nach dreijähriger Nachsorge wurden in der Literatur Erfolgsraten von bis zu 90 Prozent im Hinblick auf die dauerhafte Rückbildung der Beschwerden nach einer Embolisation berichtet.

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